Interview

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01.05.24

Einfach spitze: Bionic-Hair

Das Haar für eine neue Generation von Keramikpinseln

dd Redaktion

Mit der Serie „evo“ hat Renfert eine Innovation im Bereich der Keramikpinsel auf den Markt gebracht. Im Mittelpunkt steht ein neu entwickeltes Pinselhaar: Bionic-Hair. Das Fasermaterial basiert auf jahrzehntelanger Erfahrung in der Pinseltechnologie und verspricht einen echten Fortschritt, eine lange Lebensdauer und ein hervorragendes Schichten der Keramik. Im Vergleich zu herkömmlichen Natur- und Kunsthaarpinseln soll Bionic-Hair neue Maßstäbe setzen. Im Interview mit Produktmanager Cim Özyurt beleuchten wir, wie Bionic-Hair den Laboralltag verbessert, welche spezifischen Eigenschaften die Faser auszeichnen und inwieweit sie den wirtschaftlichen Anforderungen im Dentallabor gerecht wird.

Naturhaarpinsel und Kunsthaarpinsel – theoretisch sind damit doch alle Anforderungen erfüllt. Oder etwa nicht? Warum hat sich Renfert mit der Entwicklung einer neuen Faser beschäftigt?
Cim Özyurt:
Renfert und zahntechnische Pinsel – das ist eine Geschichte, die schon über 40 Jahre währt. Wir verbessern unsere Pinsel immer wieder und passen sie aktuellen Anforderungen an. Für uns ist das mehr als eine Aufgabe – es ist eine Herzensangelegenheit. Und weil uns auch die Welt um uns herum am Herzen liegt, engagieren wir uns für den schonenden Umgang mit begrenzten Ressourcen. Mit nachhaltigen Ansätzen können wir nicht nur unserem Planeten etwas Gutes tun, sondern auch den Menschen, die unsere Produkte nutzen. Schließlich geht es nicht „nur“ um Pinsel, sondern um eine Zukunft, in der wir alle ein bisschen mehr lächeln können.
Deshalb haben wir uns auf den Weg gemacht, ein Pinselhaar zu entwickeln, das die Vorteile von Natur- und Kunsthaar vereint. Kunsthaarpinsel haben in der Regel eine hervorragende Elastizität, sind aber anfällig für Beschädigungen (z. B. Ausfransen, Abknicken). Hochwertige Naturhaarpinsel sind durch ihre Charakteristik bestens für den Dentalbereich geeignet. Das Zusammenspiel von Feinheit, Belastbarkeit und Feuchtigkeitsmanagement durch die schuppige Haaroberfläche macht sie bisherigen Alternativen überlegen. Allerdings unterliegt die Qualität immer stärkeren Schwankungen und die Verfügbarkeit des Rohmaterials nimmt ab, was die Preise in astronomische Höhen treibt. Mit Bionic-Hair ist es uns gelungen, alle positiven Eigenschaften zu vereinen und gleichzeitig die Ansprüche an Haltbarkeit, Rohstoffqualität und Nachhaltigkeit zu erfüllen.

Reagiert Renfert damit auf die aktuellen Herausforderungen auf dem Rohstoffmarkt?
Özyurt:
Wir sind uns der Schwierigkeiten bei der Beschaffung von hochwertigem Naturhaar bewusst. Neben der schwankenden Verfügbarkeit und den stark gestiegenen Preisen spielt der Tierschutz bei unserer Entscheidung eine wichtige Rolle. Außerdem ist Naturhaar dem Risiko von Importverboten ausgesetzt. Mit Bionic-Hair bieten wir mehr als nur eine Alternative – Bionic-Hair wird zur Lösung.

Welche spezifischen Anforderungen der Zahntechnik wurden bei der Entwicklung berücksichtigt?
Özyurt:
Das sind viele verschiedene… Um beim Schichten effektiv arbeiten zu können, entwickelt jeder Keramiker ein individuelles Bewegungsmuster: Pinsel ins Wasserglas tauchen, dann ausklopfen, am Schwamm oder Tuch abstreifen, drehen oder tupfen, gegen die Tischkante schlagen, in der Hand schnipsen, im Mund spitzen etc. Das Ziel ist immer gleich: Der Pinsel soll eine perfekte Spitze haben, den richtigen Feuchtigkeitsgrad aufweisen und die gewünschte Menge Keramik aufnehmen. All dies geschieht in einer unglaublichen Geschwindigkeit und wird unzählige Male wiederholt.
Sobald sich nur ein Element in diesem Ablauf nicht wie gewohnt verhält, gerät der Prozess ins Wanken und der Rhythmus geht verloren. Daher ist das effektive Feuchtigkeitsmanagement eines Pinsels immer ein Schlüsselelement. Zudem kommt es beim Schichten von Keramik auf Präzision an. Der Pinsel benötigt eine hohe Spannkraft, um kleine und große Mengen Keramikmasse kontrolliert zu verarbeiten. Bei geringer Spannkraft können sich Pinselhaare verbiegen oder die Pinselspitze kann sich aufspreizen, was die Kontrolle erschwert. Ein wichtiger Aspekt ist auch die Lebensdauer des Pinsels. Diese variiert je nach Gebrauch und Pflege. Faktoren wie die Beschaffenheit der Mischplatte oder die Konsistenz der Keramikmasse beeinflussen die Langlebigkeit. All diese Überlegungen sind in Bionic-Hair eingeflossen.

Hat Renfert bei der Entwicklung mit einem eigenen Forschungsteam gearbeitet oder gab es Kooperationen?
Özyurt:
In unserem Forschungsteam waren verschiedene Professionen vertreten. In Summe ist Bionic-Hair ein Brückenschlag zwischen zahntechnischem Wissen, wissenschaftlichen Erkenntnissen und handwerklichem Können. Es hat viele Anläufe gebraucht, die richtigen Partner und das ideale Zusammenspiel zu finden, um jetzt das Ergebnis präsentieren zu können. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei allen Beteiligten bedanken.

Was macht die molekulare Zusammensetzung von Bionic-Hair so besonders und wie unterscheidet sie sich von herkömmlichen Keramikpinseln?
Özyurt:
Hier lohnt sich ein Blick auf Naturhaarpinsel. Naturhaare eignen sich aufgrund ihrer Eigenschaften hervorragend für Keramikpinsel. Auf der anderen Seite stehen jedoch die bereits genannten Nachteile. Auf der Suche nach Alternativen haben wir der Natur einige Geheimnisse entlockt und mit Bionic-Hair eine Faser entwickelt, die neue Maßstäbe setzt. Die chemische Zusammensetzung und die molekulare Struktur ermöglichen eine deutlich längere Haltbarkeit der Pinselspitze. Bionic-Hair passt sich wie natürliches Haar der Beanspruchung an. Durch die Zusammensetzung von unterschiedlich behandelten Faserfilamenten nimmt Bionic-Hair Feuchtigkeit ähnlich wie Naturhaar auf. So kann die charakteristische flammenförmige Pinselspitze nachgebildet werden. Zusätzlich haben wir ein Verfahren entwickelt, mit dem wir selektiv feine Haare in der Pinselspitze platzieren. Dadurch erhöht sich hier der Haaranteil. Ergebnis sind eine kräftigere Spitze und eine hohe Flexibilität – auch bei starker Beanspruchung.

Ist Bionic-Hair damit die bessere Alternative zu Natur- und Kunsthaar?
Özyurt:
In meinen Augen ja. Renfert arbeitet seit langem daran, die Vorteile aus beiden Lagern zu vereinen. Mit Bionic-Hair haben wir einen Pinsel, der die Robustheit und das Feuchtigkeitsmanagement von Naturhaar mit einer elastischen Spitze verbindet – und das zu einem angemessenen Preis. Weiterer Pluspunkt ist die gleichbleibende Qualität, da Schwankungen in den Materialeigenschaften vermieden werden und der Produktionsprozess weitgehend automatisiert ist. Ich erinnere mich an meine Tätigkeit als Keramiker. Es war frustrierend, sich auf einen neuen Pinsel zu freuen, nur um festzustellen, dass die Spitze oder Form doch nicht den gewohnten Kriterien entsprach. Oft bestellte ich mehrere Pinsel und wählte dann den aus, der am besten zu meinen Bedürfnissen passte. Letztendlich muss jeder für sich entscheiden, welcher Pinsel der richtige ist, aber ich bin überzeugt, dass es sich heute mehr denn je lohnt, eine Alternative zu wählen.

Wie anpassungsfähig ist Bionic-Hair für verschiedene Schichttechniken, z. B. Micro-Layering oder Vollverblendung?
Özyurt:
Der besondere Haarverbund und die hohe Elastizität von Bionic-Hair erhöhen den Einsatzbereich enorm. Dies macht sich besonders bei kleinen Pinselgrößen bemerkbar. Pastöse Massen mit hoher Farbintensität, wie sie häufig beim Micro-Layering verwendet werden, erfordern ein gezieltes Auftragen, ohne dass sich die Massen zwischen die Haare setzen. Beim Full-Contour-Layering wird wesentlich mehr Zeit in das Schichten investiert. Hier erlaubt der hohe Haarverbund einen deutlich längeren Schichtfluss, ohne ständig ins Wasser getaucht werden zu müssen.

Welche Pinselmodelle bietet Renfert derzeit mit Bionic-Hair an?
Özyurt:
Derzeit sind drei unserer Pinselmodelle auch mit Bionic-Hair erhältlich: das ist unsere „evo“-Edition. Der lay:art evo wird in verschiedenen Größen angeboten. Der Kunde kann zwischen zwei Formen wählen: Flame, der Naturhaarform nachempfunden, und ­Cone, speziell für Liebhaber von Kunsthaar. Jeder lay:art evo ist mit ergonomischem Aluminiumgriff und Wechselspitze ausgestattet. Außerdem bieten wir nun auch den Genius und Kolinsky mit Bionic-Hair an. Alle evo-Modelle vereinen die Eigenschaften von Bionic-Hair und bieten eine erstklassige Performance.

www.renfert.com

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