Fachbeitrag

Technik

20.04.22

Zirkonoxid und wie man es handhabt

Teil 2 – Geplante und gelöste klinische Fälle

Analoger Workflow, Ästhetik, Digitaler Workflow, Keramikverblendung, Wax-up, Zirkonoxidbrücke, Zirkonoxidkrone

Dr. Mario Gisotti, Dr. Paolo Scattarelli, Paolo Smaniotto

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Die Autoren zeigen anhand von zwei klinischen Fällen, bei welchen Arbeitsschritten sie digital und bei welchen sie analog vorgehen. Diese Kombination ermöglicht selbst das Lösen so komplexer Herausforderungen wie die Versorgung einer Patientin mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte.

Um die Möglichkeiten und Grenzen der Digitaltechnik richtig einschätzen zu können, ist es notwendig, die Durchführung umfangreicherer Sanierungen unter Nutzung der im analogen Bereich bereits vorhandenen Kenntnisse anzugehen. In den ersten Fällen, in denen wir mithilfe von optischen Scannern und CAD-Bearbeitungssoftware gearbeitet haben, haben wir immer versucht, die digitalen Schritte in eine reale Umgebung zu exportieren, um ihr Zusammenspiel besser zu verstehen.
Im untersuchten klinischen Fall sah der Behandlungsplan im OK die Anfertigung von prothetischen Kronen und Brücken und im UK das Einsetzen von zwei Implantaten vor, um eine dem Alter und den biologischen und funktionellen Bedingungen des Patienten entsprechende Kaufunktion zu gewährleisten (Abb. 61 bis 68).


Der analoge Arbeitsablauf wurde parallel zum digitalen Arbeitsablauf durchgeführt. Das diagnostische Wax-up ist nach wie vor ein entscheidender Schritt für die Herstellung von funktionsintegrierten Provisorien, die anschließend gescannt werden, um die keramischen Restaurationen in funktioneller und ästhetischer Harmonie zu reproduzieren (Abb. 69 bis 71).


Das optische Scannen von Präparationen, Provisorien und die Anpassung an den antagonistischen Zahnbogen gehören dabei zu den wichtigsten und unmittelbarsten Aufgaben im digitalen Workflow (Abb. 72 bis 77). Eine solche Übertragung von Informationen in das Labor, die nicht von Variablen wie der Verzerrung von Wachsen oder analogen Abdrücken abhängt, ermöglicht eine präzise Einstellung der Funktionswege. Die dynamische Stabilität der Sanierung kann in einer CAD-Umgebung originalgetreu nachgebildet und anschließend mit einem realen Modell, das mit einem 3D-Drucker hergestellt wurde, validiert werden. Die Zementierung von Zirkonoxid-Restaurationen muss nach präzisen Protokollen erfolgen, um einen innigen Verbund mit dem Zahnsubstrat und eine langfristige Retention und Stabilität zu gewährleisten. Die Verwendung von selbstadhäsiven Zementen auf Resinbasis in Verbindung mit der Konditionierung der Keramikoberflächen mit speziellen Primern auf MDP-Basis ermöglicht die Schaffung einer unlöslichen Zahn-Restaurationseinheit durch die Verbesserung der physikalischen und mechanischen Eigenschaften von Zirkonoxid (Abb. 78 bis 81). Wir neigen zu der Annahme, dass einige Verfahren derzeit noch analog ablaufen müssen, da die derzeitige Software nicht in der Lage ist, das Kauorgan vollständig zu simulieren.


Bei der Zwölf-Wochen-Kontrolle erschienen die prothetischen Elemente funktionell, biologisch und ästhetisch perfekt integriert (Abb. 82 bis 87).


Cheilognathopalatoschisis (teilweise oder vollständige Lippen-Kiefer-Gaumenspalte) ist die Folge von Störungen der Embryonalentwicklung. Dieser Riss kann nur die Lippe, den Kiefer und die Lippe oder die Lippe, den Kiefer und den Gaumen (selten nur den Gaumen) betreffen. Die Ursachen für diesen Riss können endogen (erblich) oder exogen (zum Beispiel Virusinfektionen während der Schwangerschaft, Medikamente, Vitamin- oder Sauerstoffmangel) sein. Es muss zwischen einseitigen und beidseitigen Risswunden unterschieden werden. Die Behandlung der Cheilognathopalatoschisis erfordert in der Regel die synergistische Beteiligung der kieferorthopädisch-chirurgischen Behandlung und findet meist in spezialisierten Einrichtungen (Fachkliniken, Universitätskliniken) statt.Der Fall wies eine alte Restauration in der Front mit Verlust des Brückenpfeilers 21 auf, der mit einer parodontalen Erkrankung einherging (Abb. 88 bis 97).


Nach der Behandlung des Stützgewebes mit einer nicht chirurgischen Parodontal­therapie wurde die alte Restauration durch eine neue dento-alveoläre Arbeit ersetzt. Um eine korrekte Reinigung und ein korrektes Management der prothetischen Räume zu gewährleisten, wurde die Architektur des zahnlosen Bereichs (auch nach der Extraktion von Zahn 21) während der provisorischen Phase mit Hart- und Weichgewebetransplantaten verbessert (Abb. 98 bis 105). Die Stumpfsanierung und die Definition einer mit dem optischen Scanner lesbaren prothetischen Abschlusslinie in Verbindung mit der Funktionalisierung des Provisoriums und der ästhetischen Integration ermöglichten auch hier den Zugang zur letzten Phase des prothetischen Verfahrens. Nach einem korrekten optischen Abdruck des Gewebes und der Stümpfe ging es an die CAD-Konstruktion, die aufgrund ihrer Form und Struktur mehrere In-situ-Tests während der verschiedenen Verarbeitungsphasen erforderte (Abb. 106). Das Ergebnis, das mit einer vestibulären und gingivalen Schichtung auf dem Zirkonoxidgerüst erzielt wurde, ermöglichte einen erfolgreichen Abschluss des Falles und die Integration der Prothetik unter Berücksichtigung des oralen und perioralen Gewebes (Abb. 107 bis 118).

Schlussfolgerung
Es sei darauf hingewiesen, dass der Begriff „analog“ oft mit den Begriffen „alt, vergangen, minderwertig“ assoziiert wird; digital hingegen gilt häufig als Synonym für „neu, innovativ oder Qualität“. Heutzutage werden meist „perfekte digitale Systeme“ als besonders leistungsfähig dargestellt, während analoge Systeme als veraltet und ungenau gelten.
Die Realität sieht etwas anders aus. Die Autoren sind der Meinung, dass die digitale Technologie heutzutage ein sehr nützliches Arbeitsinstrument ist, um bestimmte Verfahren zu bewältigen und zu beschleunigen, aber sie sind auch der Meinung, dass viele Verfahren derzeit analog bleiben müssen, sowohl wegen der Grenzen der aktuellen Softwares bei der Simulation des Kauorgans in seiner Gesamtheit als auch bei der Bewältigung dessen, was unerlässlich ist, um die perfekte klinische Integration zu erreichen, um eine kreative und individuelle Restauration zu erzielen, nämlich die kluge Steuerung durch das „Endorgan des Wissens“, das „Instrument der Instrumente“: unsere Hand.

Danksagung
Bei der Behandlung eines so spezifischen Themas im Bereich der Zahnheilkunde und der Prothetik war es notwendig, auf Literatur sowie auf den Beiträge der Fachleute, mit denen wir unsere tägliche Arbeit teilen, zu bauen. Wir möchten daher Dr. Aldo Amato, Dr. Flavio Tura und allen Mitarbeitern des Studios und des Labors für ihren Beitrag, ihre Anregungen und ihre Hilfe danken.

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