Fachbeitrag

Ästhetik

08.08.22

Ästhetische Verblendschalen

Feldspatkeramik-Veneers ohne Präparation

Diego Spreafico, Gabriele Amos Mainetti

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Die Autoren zeigen die Versorgung einer Patientin mit Non-Prep-Veneers im Frontzahnbereich. Die Wahl fiel auf Additional-Veneers, da lediglich Verfärbungen und eine leichte Fehlstellung kaschiert werden sollten. Geschichtet wurde klassisch auf einem Geller-Modell. Sehr viel Wert wurde auf die korrekte Farbbestimmung gelegt.

Eine 47-jährige Patientin stellte sich in der Praxis vor. Sie war unzufrieden mit ihrem Lächeln. Die Unzufriedenheit war insbesondere auf die Farbe ihrer Zähne und die leichte Fehlstellung der oberen zentralen Schneidezähne in vestibulärer, palatinaler Richtung zurückzuführen. Die Patientin teilte uns mit, dass ihre Zähne gebleached worden waren, sowohl professionell als auch in Eigenregie zuhause. Das erhoffte Ergebnis war jedoch bisher nicht erzielt worden. Bei der Untersuchung zeigte sie ein gutes Niveau der Mundhygiene und ein gesundes Gebiss ohne jegliche Restaurationen in der oberen Front. In Anbetracht dieser Überlegungen und dem Wunsch nach einer möglichst konservativen Lösung [1], wurde eine Sanierung mit feldspatkeramischen Non-Präp-Veneers von 14 bis 24 vorgeschlagen. Wir nahmen Alginatabdrücke und fertigten intra- und extra-orale Fotos (Abb. 1 bis 3) der Ausgangssituation an. Um die Informationen zum Status zu vervollständigen, erfolgte eine vorläufige Farbbestimmung mit der Vita-Farbskala und einer kundenspezifischen Skala (Abb. 4). In der zweiten Sitzung wurde ein Emotionen weckendes Mock-up zur Einprobe verwendet, um die endgültige Form der Restaurationen, das Volumen der Zähne und die Lachlinie [2] zu antizipieren. In diesem Fall haben wir lieber ein „indirektes Mock-up“ verwendet (Abb. 5), das im Labor auf Basis eines diagnostischen Wax-ups hergestellt wurde. Wir fuhren fort mit der korrekten Bestimmung der Farbe der endgültigen Restaurationen mit Hilfe eines maßgeschneiderten individuellen Farbschlüssels (Abb. 6) und Mustern der geplanten Keramikschichtung (Abb. 7 und 8). Um ein optimales Endergebnis zu erreichen, schichtete das Labor, nachdem die ersten intraoralen Fotos mit der Farbskala gemacht worden waren, entsprechende Schmelz- und Dentinmuster zur Überprüfung. Mit digital hergestellten individuellen Löffeln (Abb. 9) wurde die obere Abformung mit Polyvinylsiloxan mit einer monophasischen Zweikomponententechnik (Abb. 10) [3] genommen. Zur korrekten Ausrichtung des Oberkiefers im Raum und zur genauen Bestimmung der Lachlinie, wurde ein Gesichtsbogen verwendet (Abb. 11) [4]. Im Labor wurde die Abformung mit Epoxidharz ausgegossen (Abb. 12 und 13).

Nach der erforderlichen Aushärtungszeit wurde der Zahnkranz entnommen und in Segmente unterteilt, diese wurden mit einer Trennscheibe getrennt (Abb. 14 und 15). Nach dem Trennen und Beschleifen wurden die Segmente im Abdruck reponiert (Abb. 16 bis 19). Mithilfe von Gießharz wurde ein Geller-Modell erstellt (Abb. 20 und 21). Im nächsten Schritt wurde das Modell im Gesichtsbogen positioniert und diese Position in den Artikulator überführt (Abb. 22 und 23). Die einzelnen Elemente wurden dubliert und mit feuerfestem Material vervielfältig (Abb. 24 bis 26), sodass die keramische Schichtung direkt auf den Zähnen realisiert werden konnte (Abb. 27 und 28). Nach der Finalisierung wurden die Veneers zur optischen Überprüfung der Oberflächentextur und der Leisten mit Goldpuder bestäubt (Abb. 29 bis 31). Die Dicke der Veneers wurde ebenfalls kontrolliert (Abb. 32).

Nach der Fertigstellung wurden die Schalen vom feuerfesten Material getrennt (Abb. 33 bis 36). Vor der endgültigen Zementierung erfolgte die Einprobe der Verblendschalen, um sie gegebenenfalls anzupassen und das Endergebnis zu visualisieren. Die Verwendung von Try-in-Pasten war wesentlich, um die richtige Zementfarbe auszuwählen. In diesem Fall wurde eine helle Farbe mit mittlerer Deckkraft gewählt, um besser die Verfärbungen des darunterliegenden Schmelzes zu maskieren. Nach der Zustimmung des Patienten fuhren wir mit der endgültigen Zementierung der Schalen fort. Die Zähne wurden 20 Sekunden mit 37-prozentiger Orthophosphorsäure geätzt [5]. Anschließend wurde ein Einkomponentenkleber aufgetragen, für 15 bis 20 Sekunden „einmassiert“ und entsprechend den Herstellerangaben lichtgehärtet. Die Oberflächen der Feldspatkeramikschalen wurden nach folgenden Kriterien behandelt: begonnen wurde mit Trocknung und Innenreinigung der Verblendung (Abb. 37 und 38), dann wurde die Oberfläche der Keramikinnenfläche mit neunprozentiger Fluorwasserstoffsäure zwei Minuten lang geätzt (Abb. 39). Anschließend wurde diese unter fließendem Wasser abgespült und mit Druckluft getrocknet; nach diesem Schritt wurde fünf Minuten lang neutralisiert (Abb. 40). Nach dem Ablauf der Reaktionszeit wurde wieder gründlich abgespült und mit Luft getrocknet. Danach dampfte das Silan eine Minute aus und der Klebstoff wurde gemäß den Anweisungen des Herstellers aufgetragen (Abb. 41). Schließlich wurde auf der Innenfläche der Schalen vor der Platzierung auf dem zuvor behandelten Zahn ein lichthärtender Kompositzement (Abb. 42) aufgetragen. Die Positionierung erfolgte mit Try-in-Paste (Abb. 43 bis 46). Die Entfernung von überschüssigem Zement und die endgültige Fertigstellung erfolgten unter Verwendung von Küretten und Schmirgelpapierstreifen. Die Abbildungen 47 und 48 zeigen die Ausgangsituation und die Abbildungen 49 bis 53 zeigen im Vergleich dazu die finalen Restaurationen eine Woche nach der Zementierung.

Literatur
[1] Protocol for a new concept of no-prep ultrathin ceramic veneers. D’Arcangelo C., Vadini M., D’Amario M., Chiavaroli Z., De Angelis F.J. Esthet Restor Dent. 2018 May;30(3):173-179.
[2] Digital smile design and mock-up technique for esthetic treatment planning with porcelain laminate veneers. Garcia P.P., da Costa R.G., Calgaro M., Ritter A.V., Correr G.M., da Cunha L.F., Gonzaga C.C. J. Conserv Dent. 2018 Jul-Aug;21(4):455-458.
[3] Dental Impression Materials and Techniques. Punj A, Bompolaki D, Garaicoa J.Dent Clin North Am. 2017 Oct;61(4):779-796.
[4] Face-bow transfer in prosthodontics: a systematic review of the literature. Farias-Neto A, Dias AH, de Miranda BF, de Oliveira AR. J Oral Rehabil. 2013 Sep;40(9):686-92.
[5] Enamel acid etching: a review. Lopes GC, Thys DG, Klaus P, Oliveira GM, Widmer N. Compend Contin Educ Dent. 2007 Jan;28(1):18-24.

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Stabile, reproduzierbare Okklusion und gelungene Ästhetik – Modul A am 14./15.10.2022


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