Fachbeitrag

Ästhetik

19.03.24

Der Weg zu einem neuen ­Lächeln: Ein Fallbericht

Eine Geschichte über Teamarbeit, Technologien und die Emotionen dahinter

Hinter jeder restaurativen Therapie verbirgt sich nicht nur klinische Expertise, handwerkliches Können und moderne Technologie, sondern in erster Linie ein Mensch. Im Artikel berichtet das Autorenteam über eine junge Patientin, die sich auf die Reise zu einem neuen Lächeln begibt. Für Dr. Alina Lazar, eine Zahnärztin mit tiefem Verständnis für ästhetische Bedürfnisse, und Ztm. Ralf Dahl, ein Zahntechniker mit einem Auge für Details und Ästhetik, war diese Herausforderung die Premiere ihrer Zusammenarbeit. Gemeinsam haben sie der Patientin einen Herzenswunsch erfüllt.

In der Zahnmedizin gibt es viele Momente, in denen handwerkliche Kunst, Wissenschaft und Emotionen aufeinandertreffen. Dieser Artikel beschreibt eine solche Geschichte. Die Patientin hatte den Traum, an ihrem Hochzeitstag mit einem strahlenden Lächeln zu glänzen. Dieser Wunsch stellte eine Herausforderung dar, die Fachwissen und ästhetisches Gespür erforderte. Das Ziel der Patientin war klar: eine ästhetische Verbesserung ihrer Oberkieferfrontzähne (Abb. 1 und 2). Mit Blick auf ihre bevorstehende Hochzeit war die Zeit knapp bemessen. Schnell war erkannt, dass es hier nicht nur um klinisches Know-how ging. Um ein herausragendes Ergebnis zu erzielen, war die Beteiligung eines auf ästhetische Rekonstruktionen spezialisierten Zahntechnikers entscheidend. Und so wurde dieser Patientenfall zu einer Premiere der Zusammenarbeit zwischen uns als Arbeitsteam. Die Erwartungen waren groß und der Zeitrahmen eng: sechs Monate bis zur Hochzeit der jungen Frau.

Der Countdown läuft …

Jeder Patient ist einzigartig. Daher steht am Beginn einer Behandlung die umfassende Analyse. Oftmals liegt der Fokus nur auf den Zähnen. Doch es sind nicht nur Zahnform und -farbe, die das Lächeln eines Patienten definieren. Erst das Zusammenspiel von Gesicht, Lippen, Zahnfleisch, Zähnen etc. ergibt das harmonische Gesamtbild. Insbesondere bei der ästhetischen Rehabilitation ist es wichtig, mit einer ästhetischen Analyse zu beginnen (Abb. 3). Das Gesicht ist wie ein offenes Buch und gibt uns viele Informationen, z. B. über Malokklusion und über symmetrische Verhältnisse. Zu den wichtigen Ästhetik-Parametern gehören untere anderem die extraorale Mittellinie, die interpupilläre Linie und die interkommisurale Linie.

Ästhetik-Analyse
Im vorliegenden Fall wurde eine leichte extraorale Verschiebung der Mittellinie nach links festgestellt. Zudem zeigte die interkommisurale Linie eine Diskrepanz von links nach rechts. Bemerkenswert war die signifikante Volumendifferenz der rechten Lippenpartie im Vergleich zur linken. Zudem wurde eine Abweichung zwischen extraoraler und intraoraler Mittellinie identifiziert. Die klinische Befundung ergab einen Engstand im Oberkiefer, welcher als Rezidiv nach einer kieferorthopädischen Behandlung interpretiert wurde. Zusätzlich wurden ein Zahnschmelz-Chipping, eine Kunststoffverblendung am endodontisch vorbehandelten Zahn 11 sowie ein mild ausgeprägtes Gummy Smile diagnostiziert; insgesamt zunächst ein vergleichsweise einfacher Fall für ein Aligner-Bleaching-Veneers-Konzept. Aber: Obwohl der Fall auf den ersten Blick wie ein einfacher „Kandidat“ für ein Aligner-Bleaching-Veneers-Konzept wirkte, offenbarte eine detaillierte Untersuchung des Unterkiefers die volle Komplexität. Die Unterkieferfront zeigte eine blockartige Verschiebung. Während die rechte Seite intrudiert und nach bukkal protrudiert war, zeigte die linke Seite eine Extrusion und Retrusion (Abb. 4). Diese spezifische Konstellation erklärte die in der ästhetischen Analyse festgestellte Lippenposition. Ursache für die Situation war ein fehlerhaft positionierter Retainer. Der Retainer am rechten Eckzahn war vor Jahren abgebrochen. Das verursachte diese negative Entwicklung bei einer ansonsten positiven Retainer-Funktion. Die Blockbewegung des Unterkiefers musste auf diesen Umstand zurückgeführt werden.

Aligner-Therapie
Bevor wir mit der Planung der Behandlung beginnen konnten, benötigten wir einen detaillierten Fotostatus, eine Panorama-Röntgenaufnahme sowie einen digitalen Scan des Gebisses. Es war klar, dass eine initiale Korrektur mittels Alignern erfolgen musste, um den Okklusionsplan im Bereich der Frontzähne zu regulieren (Abb. 5 und 6). Die zeitliche Begrenzung stellte hierbei eine echte Herausforderung dar, denn das Zeitfenster ermöglichte nur zehn Aligner-Schienen pro Kiefer ­(SureSmile Aligner, Dentsply Sirona). Nach Anwendung der siebten Schiene, einem Zwischenscanning und der Modellherstellung war es für das zahntechnische Team an der Zeit, aktiv zu werden.

Zahntechnisches Mock-up
Die zahntechnische Analyse begann mit der Auswertung aller Informationen, die vonseiten der Zahnarztpraxis bereitgestellt wurden. Hierbei ist eine effiziente Kommunikation sowohl telefonisch als auch digital erfolgsentscheidend. „Gut kommuniziert“ vereinfacht die Umsetzung der gewünschten Verbesserungen und überwindet die räumliche Distanz zwischen den Arbeitsorten.
Im ersten Schritt erfolgte die Herstellung eines Wax-ups. Mit dem Blick für feine Details und dentale Symmetrien wurden die Proportionen der Zähne, insbesondere das Verhältnis von Länge zu Breite, idealisiert. Hohe Aufmerksamkeit erforderte die Korrektur der Mittellinienverschiebung. Um diese Anpassung im Gingivaverlauf zu berücksichtigen, war ein elektrochirurgischer Eingriff erforderlich.
Das präzise erstellte Wax-up wurde in ein Mock-up überführt. Hierfür hat sich die Injection-Moulding-Technik bewährt. Das glasklare Silikon Exaclear (GC Europe) wird dank der guten Flexibilität bei gleichzeitig hoher Stabilität den Anforderungen ästhetischer Rekonstruktionen gerecht. Als Material für das Mock-up – gefertigt im Injektionsverfahren – wurden GC Gradia Light Body D und Light Body E verwendet. Das hochfeste, lichthärtende Nanohybrid-Komposit basiert auf der Keramikpolymer-Technologie und bietet ideale ästhetische Eigenschaften. Dies war wichtig, denn eine intraorale Anprobe der filigranen Komposit-Veneers (Mock-up) gab eine visuelle Orientierungshilfe für das angestrebte Ergebnis (Abb. 7). Auch für die weitere zahntechnische Arbeit vermittelt das Mock-up wertvolle Informationen, um die finale Arbeit zu realisieren und gegebenenfalls feine Anpassungen vornehmen zu können.

Der Hochzeitstermin 
rückt ­näher

Bei Abschluss der präprothetischen Arbeiten war das Datum der Hochzeit in greifbarer Nähe. Doch trotz eines nahenden Termins darf der Zeitdruck nicht die Qualität der Arbeit beeinflussen. Jeder Schritt muss mit Sorgfalt, Ruhe und Bedacht erfolgen. Überstürzte oder unüberlegte Entscheidungen könnten zu unnötigen Korrekturen und Mehrarbeit führen, die in diesem engen Zeitrahmen nur schwer zu bewältigen wären. Und so war es ein Balanceakt zwischen Effizienz und Präzision, bei dem das Wohl der Patientin und ihr Wunsch im Vordergrund standen.

Präparation der Zähne
Die Präparation der vier Frontzähne 11, 12, 21, 22 erfolgte durch das Mock-up mit einem minimalinvasiven Präparationsset (nach Alina Lazar, Horico). Besonderes Augenmerk galt Zahn 11, welcher endodontisch versorgt war und infolgedessen eine dunkle Färbung aufwies. Für eine harmonische Farbanpassung bedurfte es einer etwas intensiveren Präparation des Zahnes 11 im Vergleich zu den umliegenden vitalen Zähnen. Um den Verlust von Zahnschmelz zu minimieren, wurden die Kontaktpunkte an den Zähnen 12 und 22 beibehalten, wohingegen jene an den mittleren Fronzähnen entfernt wurden. Die Abformung erfolgte mittels konventioneller Technik und wurde zur weiteren Bearbeitung an das zahntechnische Labor gesendet.

Herstellung der Veneers
Die konventionelle Abformung bietet gegenüber dem digitalen Scan den Vorteil, dass sie eine präzise Darstellung der Oberflächenstruktur ermöglicht, die in den keramischen Restaurationen detailgetreu umgesetzt werden kann. Für das Herstellen der keramischen Veneers war die Presstechnik mit anschließender Schichtung der bevorzugte Weg. Material der Wahl war Initial LiSi Press (GC Europe), eine hochästhetische Lithiumdisilikat-Keramik, die in verschiedenen Transluzenzstufen eine hohe Flexibilität bietet. Für die nicht verfärbten Zähne kam LiSi MT zum Einsatz, während für den leicht verfärbten Zahnstumpf 11 LiSi LT verwendet wurde, allerdings in einer helleren Farbnuance. Dank des erhöhten Farbwerts und des größeren Weißanteils in LiSi LT lässt sich eine deutlich verbesserte Abdeckung des Untergrundes erzielen, ohne dass das Ergebnis unnatürlich oder zu opak wirkt. Angesichts der komplexen Farbgebung wurden alle gepressten Käppchen individuell geschichtet (Initial LiSi, GC Europe). Dies ermöglichte die Umsetzung von Mamelon-Strukturen und gewährleistete eine natürliche Transluzenz sowie eine beeindruckende Tiefenwirkung (Abb. 8 und 9).

Einsetzen der Veneers
Die keramischen Veneers wurden in der Praxis mit der Try-in-Paste von G-CEM transluzent (GC Europe) einprobiert und schließlich unter Verwendung von G-CEM ONE definitiv befestigt. G-CEM ONE ist ein universelles, selbstadhäsives Befestigungskomposit mit dualer Aushärtungsfähigkeit für einen starken, dauerhaften Verbund von indirekten Restaurationen auf diversen Substraten. Optional kann das Material in Kombination mit einem Primer angewendet werden. Die Befestigung der Veneers erfolgte gemäß dem Herstellerprotokoll (Abb. 10 und 11).
Die Retentionsphase wurde wie folgt gestaltet: Im Oberkiefer diente ein vollständiger Essix-Retainer (1 mm) zur Positionserhaltung sowie zum Schutz der Veneers. Im Unterkiefer wurde ein fester Retainer von Zahn 33 bis Zahn 43 platziert. Zusätzlich wurde ein Essix-Retainer verwendet, um eine optimale Erhaltung der Zahnposition zu gewährleisten. Für die Patientin markierte dieser Moment den entscheidenden Augenblick. Würden die Veneers und die vorangegangenen Maßnahmen ihren hohen Erwartungen gerecht werden? Ihre emotionale Reaktion auf das ­Ergebnis war für uns alle bewegend: Das authentisch-glückliche Lächeln zeigte, dass ihr Wunsch erfüllt war (Abb. 12 bis 14).
Auch aus fachlich geprägter Perspektive war das Ziel erreicht. Die Veneers integrieren sich harmonisch in das Gesamtbild. Dank der präzisen Farbauswahl des GC ­LiSi-Pressrohlings und der individuellen Schichtung wurde selbst die Verfärbung des endodontisch vorbehandelten Zahnes 11 vollständig maskiert. Ein herausragendes Merkmal aus zahnmedizinischer Perspektive ist die authentische Darstellung der Inzisalkante. Zudem wurde trotz minimaler Präparation von lediglich 0,5 mm eine beeindruckend natürliche Oberflächenstruktur umgesetzt. Es ist faszinierend, was heutzutage in der Zahnmedizin alles möglich ist, um Patienten durch minimalinvasive Verfahren glücklich zu machen.

Das Finale des Lächelns

Die Reise der Patientin, die mit dem Traum begann, an ihrem Hochzeitstag mit einem perfekten Lächeln zu strahlen, war abgeschlossen (Abb. 15). Am Ende sehen wir eine glückliche junge Frau mit einem Lächeln, das von Herzen kommt. Auch aus Sicht der Zahntechnik ist ein solches Lächeln immer die schönste Art, anderen die Zähne zu zeigen. Es ist das Ergebnis von Teamarbeit, Präzision und dem Wunsch, immer das Beste für den Patienten zu erreichen. Die Geschichte endet hier, doch das strahlende Lächeln der Patientin wird sicherlich noch viele Jahre bestehen. Ihre Reise dahin war nicht nur ein technischer Prozess, sondern eine emotionale Erfahrung, die von Vertrauen und einem gemeinsamen Ziel geprägt war. Und so ist diese Geschichte ein lebendiges Beispiel dafür, wie Kunst, Wissenschaft und Emotionen in der Zahnmedizin zu einem harmonischen Ganzen verschmelzen können. Ein Lächeln, das nicht nur die Schönheit der Zähne zeigt, sondern auch die Geschichte und die Emotionen dahinter.

Kontakt
Dr. Alina Lazar

Vorderer Alter Berg 22

76327 Pfinztal-Wöschbach

info@praxislazar.de

www.praxislazar.de

Ztm. Ralf Dahl
Mb Dentaltechnik GmbH
Schanzenstraße 20
40549 Düsseldorf
dahlralf@googlemail.com
www.mbdentaltechnik.com

Vita

Ralf Dahl ist Zahntechnikermeister (1991, Meisterschule Düsseldorf) und seit 1994 Inhaber und Geschäftsführer der Mb Dentaltechnik GmbH. Er ist Mitglied der „dental ­excellence-international Laboratory Group“, der EDA sowie der DGÄZ. Der Zahntechnikermeister ist auf Fachvorträge und praktische Arbeitskurse im Bereich Verblendtechnik und Vollkeramik spezialisiert. Seine Spezialgebiete sind polychrome Verblendtechnik im Bereich Keramik, funktionelle und ästhetische Herstellung vollkeramischer Inlays, Onlays, Veneers und Vollkronen sowie die Herstellung und Verblendung von Kronen und Brücken aus Oxidkeramiken und Lithiumdisilikat. Zudem ist Ralf Dahl Gastdozent an der Meisterschule Freiburg sowie Autor zahlreicher Fachartikel.

Dr. medic. stom. Alina Lazar ist seit 2001 niedergelassen in eigener Praxis. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind die Implantologie und die ästhetische Zahnheilkunde. Sie ist Mitglied der Leading Ladies in Dentistry, KOL GC Europe, KOL Dentsply Sirona sowie internationale Referentin zum Thema Einfluss von Alignern in der ästhetischen Zahnheilkunde. Weitere berufliche Stationen sind:

  • seit Oktober 2023 ist sie Vorsitzende für zertifizierte Mitglieder als Teil des Vorstands der European Society of Cosmetic Dentistry (ESCD).
  • seit September 2018 ist sie Vorsitzende für internationale Angelegenheiten im ESCD Expanded Executive Committee
  • 2017 wurde sie zertifiziertes Mitglied der European Society of Cosmetic Dentistry (ESCD) und auch Landesvorsitzende für Deutschland, sowie ClearSmile Inman Aligner Clinical Instructor, IAS Academy London.
  • 2013 erhielt sie ihre Zertifizierung für Inman Aligner und Digital Smile Design.

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