Interview

Ästhetik

02.08.22

Planbar, systematisch, vorhersagbar

Intensiv-Workshop zum Verblenden komplexer Restaurationen mit Komposit

Christian Hannker, Moritz Pohlig

Seit einigen Monaten begeistert Ztm. Moritz Pohlig mit Workshops zu seinem pfiffigen Komposit-Verblendkonzept die Fachöffentlichkeit. Auch Christian Hannker wurde aufmerksam und besuchte Anfang März 2022 den GC Gradia Plus-Kurs „Keep it simple – Composite-Flow-Technique“ in Remscheid. Im Gespräch mit Annett Kieschnick gehen die beiden Zahntechniker auf die Vorteile und die Relevanz eines strukturierten Verblendkonzeptes ein.

Jeder ein Experte, jeder in seinem Bereich! Ztm. Christian Hannker gilt als ein Wegbereiter der digitalen Zahntechnik. Mit jeder Menge Ehrgeiz, realistischen Visionen, sympathischer Beherztheit und großem Engagement widmete er sich frühzeitig der dentalen CAD/CAM-Technologie und wurde so für viele Zahntechniker zum kollegialen Motivator. Was er niemals aus den Augen verloren hat, sind seine hohen Ansprüche an eine gute, individuelle Zahntechnik. Dies gilt auch für Ztm. Moritz Pohlig. Der Protagonist der „Composite-Flow-Technique“ – das pfiffige Komposit-Verblendkonzept – baut mit seiner durchdachten Arbeitssystematik die Brücke zwischen digitalen Technologien und manueller Fertigung.

Herr Hannker, Sie sind ein erfahrener und beliebter Referent. Ist es für SIe etwas Besonderes, wenn andere Opinion ­Leader als Teilnehmer eine Fortbildung von Ihnen besuchen?
Christian Hannker: Grundsätzlich ist für mich jeder, der Fortbildungen beziehungsweise Vorträge von mir besucht und von meinen fachlichen Erfahrungen lernen möchte, herzlich willkommen. Es macht mir Spaß, Wissen zu vermitteln und es ehrt mich, wenn andere Zahntechniker von meiner Qualifikation partizipieren möchten. Letztlich lernt immer jeder von jedem. Die Zahntechnik ist eine kleine Branche, in der wir alle gemeinsam unseren Beitrag für ein hohes Niveau der Patientenversorgung leisten. Und natürlich ist es etwas Besonderes, wenn namhafte Referenten eine meiner Fortbildungen besuchen. Das schmeichelt und ist auch eine Bestätigung.

Herr Pohlig, wie ist es für Sie, wenn erfahrene Referenten wie Christian Hannker an Ihrem Workshop ­teilnehmen?
Moritz Pohlig:
Da geht es mir wie Christian. Für mich ist jeder Kurs spannend, da ich immer neue Menschen treffe und dieser Austausch mein Tun fördert. Es freut mich sehr, wenn an einem meiner Workshops so bekannte Zahntechniker wie Christian teilnehmen. Schließlich hat er unsere Branche und somit auch meine Arbeit mit seinem Know-how sehr bereichert. Viele Opinion Leader der Zahntechnik tragen mit ihrem Engagement dazu bei, dass wir in Deutschland eine Zahntechnik auf höchstem Niveau leben und die Qualität unserer Arbeit international anerkannt ist. Es ist für mich eine Ehre, solche Spezialisten in meinen Workshops begrüßen zu dürfen.

Herr Hannker, Sie sind einer der ­Wegbereiter im Bereich der dentalen CAD/CAM-Technologie. Welchen Stellenwert hat in Ihrem Labor das manuelle Arbeiten?
Hannker:
Die manuelle Zahntechnik ist Bestandteil unseres Laboralltags, auch wenn wir viel digital tätig sind. Es gilt immer abzuwägen, in welchen Situationen das manuelle Arbeiten sinnvoller ist, zum Beispiel weil es schneller geht oder ein besseres Ergebnis erzielt werden kann. Sobald wir es im Sinne der Ergebnisqualität als vernünftig erachten, verlassen wir den digitalen Weg. Beispiel ist die Komposit-Verblendung in der Kombi-Prothetik. Hier gelangen wir derzeit auf manuellem Weg besser und schneller zum Ziel. Wie von uns zu erwarten, haben wir natürlich den digitalen Weg getestet. Wir haben das sogenannte Lego-Prinzip ausprobiert, bei dem verschiedene digital gefertigte „Bauteile“ (Gerüst und Verblendstruktur) zusammengeführt werden. Letztlich sind wir schnell zum manuellen Verblenden mit der Küvettentechnik zurückgekehrt und bis heute dabeigeblieben. Sollte es irgendwann neue Methoden geben, welche beim Verblenden mit Komposit zum besseren Ergebnis beitragen, würden wir diesen Arbeitsschritt auch wieder digitalisieren.

dd Tipp
Informationen zu den Workshops „Composite-Flow-Technique by Moritz Pohlig“ sowie zu weiteren zahntechnischen Fortbildungen sind auf der Fortbildungs-Website von GC (www.gcfortbildung.de) zu finden.

Welche Anforderungen sollte ein ­modernes Verblendkomposit-System erfüllen und wo kommt es bei Ihnen im Labor zum Einsatz?
Hannker:
Wir nutzen Verblendkomposite vor allem im Bereich der kombinierten Prothetik, zum Beispiel Teleskop- oder Stegarbeiten. Während sich die Gerüststrukturen mit hoher Präzision und Effizienz auf digitalem Weg fertigen lassen, verlangt die ästhetische Finalisierung manuelle Fertigkeit und ein gutes Komposit zum Verblenden. Zudem benötigen wir ein sicheres Konzept für die Umsetzung. Ein Beispiel dafür ist die „Composite-Flow-Technique“, die Moritz Pohlig beim GC Gradia Plus-Kurs vermittelt (Abb. 1 und 2). Die Anforderungen, die wir an ein modernes Verblendkomposit stellen, sind kurz auf den Punkt gebracht: Das Material sollte gut in der Küvette zu verarbeiten sein, eine hohe Plaque-Resistenz aufweisen sowie abrasionsstabil sein. Und wichtig für den effizienten Laboralltag: Die Verblendsystematik sollte möglichst keine Nacharbeit notwendig werden lassen.

Und mit welchem Ziel haben Sie am GC Gradia Plus-Kurs „Composite-Flow-Technique by Moritz Pohlig“ teilgenommen?
Hannker:
Wir waren neugierig auf die Vorgehensweise von Moritz, mit der er großartige Ergebnisse realisiert. Da wir schon lange und gut mit der Küvettentechnik arbeiten, wollen wir einfach über unsere eigenen Grenzen schauen und einen anderen Arbeitsweg kennenlernen. So ein Blick über den Tellerrand ist immer bereichernd. Manchmal ergeben sich völlig neue Perspektiven, manchmal sind es kleine Feinheiten, mit denen sich die eigene Arbeit noch ein bisschen verbessern lässt.

Herr Pohlig, was war denn Ihre Intention, die „Composite-Flow-Technique“ zu entwickeln?
Pohlig:
Als junger Zahntechnikermeister war ich unzufrieden mit den Ergebnissen, die ich durch das klassische Freihand-Schichten von Komposit erzielt habe. Komposite lassen sich Freihand nicht homogen und ohne Einschlüsse von Verschmutzungen oder Luftbläschen verarbeiten. Das hat mich frustriert; mir war klar, dass ich meine Verfahrenstechnik ändern musste. Das war vor etwa zehn Jahren. Daraufhin begann ich, mit der Küvettentechnik zu arbeiten. Unter anderem dank digitaler Möglichkeiten konnte ich mein Vorgehen – die „Composite-Flow-Technique“ – nach und nach optimieren.

Beschreiben Sie kurz, was die „Composite-Flow-Technique by Moritz Pohlig“ ausmacht?
Pohlig:
Im Mittelpunkt steht das Verblenden abnehmbarer Restaurationen (zum Beispiel Teleskop-Prothesen) mit Komposit. Das ist eine komplexe zahntechnische Aufgabe, die aus meiner Sicht nur mit einem strukturierten Konzept zufriedenstellend gelöst werden kann. Die „Composite-Flow-Technique“ ist ein sauber strukturierter Workflow, mit dem die Verblendung vorhersagbar realisiert werden kann. Grundlage bildet die Küvettentechnik, mit der homogene Verblendungen frei von Luftbläschen oder Einschlüssen entstehen. Allerdings geht die „Composite-Flow-Technique“ einen Schritt weiter. Es ist der komplette Workflow – vom diagnostischen Wax-up bis zur definitiven Restauration – in einer bewährten Systematik strukturiert. Planbar, systematisch, vorhersagbar – genau das macht dieses Konzept so verlässlich.

Herr Hannker, was begeistert Sie an der „Composite-Flow-Technique”?
Hannker:
Mich beeindruckt die Vorhersagbarkeit dieser durchdachten Systematik. Diese erleichtert das Verblenden komplexer Restaurationen signifikant, denn die Laborarbeit bekommt deutlich mehr Planbarkeit. Man verliert sich nicht in Details, sondern gelangt auf geradem Weg zum Ziel. Dies entspricht unserer Philosophie. Zudem ist die Vorhersagbarkeit in der Patientenkommunikation wichtig. Bemerkenswert an der „Composite-Flow-Technique” ist, dass das Mock-up – unser Versprechen an den Patienten – akkurat in die definitive Komposit-Verblendung überführt werden kann. Mit wenigen Handgriffen sind Form und Farbe finalisiert; es entsteht das Ergebnis, was wohlüberlegt geplant worden ist. Letztlich muss nur noch ein wenig Brillanz auf die Verblendung gebracht werden. Dies beherrscht Moritz mit dem Komposit GC Gradia Plus wirklich perfekt. Im Workshop gibt er seine Erfahrung sowie viele Tipps und Tricks weiter.

Mit welchen Gedanken oder Inspirationen sind Sie im Anschluss an den Kurs nach Hause gereist? Sind Ihre Erwartungen erfüllt worden?
Hannker:
Da es unsere erste Teilnahme an einer Präsenzveranstaltung nach zwei Jahren „Abstinenz“ war, sind wir voller positiver Gefühle nach Hause gefahren. Der direkte Austausch mit Kollegen aus anderen Dentallaboren ist immer hilfreich und wichtig für unsere Arbeit. Unsere Erwartungen an den Kurs wurden voll erfüllt. Wir haben die „Composite-Flow-Technique” mit GC Gradia Plus und all ihre Vorteilen kennengelernt. Das Material ist gut verarbeitbar und die Ergebnisse sind brillant sowie hochästhetisch (Abb. 3 und 4). Es macht Spaß mit dem Komposit zu arbeiten; in Kombination mit dem Workflow von Moritz entstehen eindrucksvolle Verblendungen. Vom Vorgehen her handhaben wir einige Dinge etwas anders; dennoch konnten wir uns Inspirationen für unseren Laboralltag holen.

Herr Pohlig, für Sie ist das Komposit-Verblendsystem Gradia Plus (GC) das Material der Wahl, warum?
Pohlig:
Mit GC Gradia Plus hat es GC ­geschafft, ein Material zu entwickeln, welches aus meiner Sicht und Erfahrung eine völlig neue Dimension in der Welt der Komposite eröffnet; sowohl von den mechanischen als auch den ästhetischen Eigenschaften. Über die speziell entwickelte Nanofüllertechnologie werden Materialeigenschaften erzielt, die eher einer Keramik entsprechen als einem Kunststoff. Doch es ist nicht nur das Material, was den Erfolg eines Produktes ausmacht, sondern die korrekte Anwendung. Und hier gibt die „Composite-Flow-Technique“ die notwendige Sicherheit. Sicherlich führen auch andere, ähnliche Vorgehensweisen zu einem sehr guten Ergebnis. Letztlich muss jeder für sich den eigenen Weg finden.

Herr Hannker, welches Potenzial ­eröffnet das Arbeitskonzept gerade größeren, vorwiegend digital arbeitenden Dentallaboren?
Hannker:
Ob großes oder kleines Dentallabor – wichtig ist, dass die über das Mock-up erarbeitete Situation akkurat auf die definitive Restauration übertragen werden kann. Pluspunkt der „Composite-Flow-Technique” ist die Planbarkeit. Insbesondere in der Kombi-Technik werden Gerüste heute in der Regel digital hergestellt. Das geplante Mock-up verlustfrei in die Verblendung zu überführen, kann ohne Konzept schnell außer Kontrolle geraten. Und dann wird’s kompliziert. Eine zielorientierte Systematik ermöglicht eine sichere Umsetzbarkeit. Das Mock-up lässt sich 1:1 in die Komposit-Verblendung überführen. Die „Composite-Flow-Technique“ knüpft quasi das Band zwischen digitaler Fertigung und manuellem Tun. Und gerade für größere Labore wichtig: Das Konzept ist mit etwas Erfahrung im Kunststoffbereich schnell und sicher erlernbar. Letztlich spielt die Materialqualität eine Rolle. Gegenüber dem klassischen Verblenden mit konfektionierten Zähnen oder Verblendschalen ist das Verblenden mit einem hochgefüllten Komposit klar überlegen. Haltbarkeit, Abrasionsbeständigkeit und natürliche Brillanz sind klare Argumente für das Verblenden mit einem Komposit wie beispielsweise GC Gradia Plus.

Werden Sie diese Technik in Ihren ­Laboralltag integrieren?
Hannker:
Wir arbeiten seit Jahren mit der Küvettentechnik und haben einen für uns funktionierenden Workflow gefunden. Der Versuch, das Verblenden komplett zu digitalisieren, ist bei uns leider gescheitert und brachte nicht den gewünschten Effekt. Daher bleiben wir vorerst der Küvettentechnik treu und konnten aus dem Workshop von Moritz einige Aspekte für den Laboralltag mitnehmen.

Ihr Feedback als Wegbereiter, Arbeitgeber, Lehrmeister, Referent und Kursteilnehmer: Warum sollten Zahntechnikerdiesen Workshop besuchen?
Hannker:
Wer diesen Workshop besucht, kehrt mit jeder Menge Inspiration und Motivation in den Laboralltag zurück. Das erlernte Vorgehen lässt sich direkt im Laboralltag umsetzen. Neben dem Kennenlernen der „Composite-Flow-Technique” und der praktischen Arbeit bereichert der Workshop in vielerlei Hinsicht. Viele Zahntechniker stehen tagtäglich vor den gleichen Herausforderungen und Aufgaben wie man selbst. Dies verbindet. Es gelingt Moritz als authentischem Referenten und GC als Veranstalter, eine persönliche, angenehme Kommunikation unter den Teilnehmenden zu schaffen (Abb. 5 bis 9). Ein solches Miteinander bringt uns voran; unabhängig vom Thema der Fortbildung. Denn letztlich zählt: Für eine hochwertige Zahntechnik müssen wir miteinander im Austausch bleiben.

Vita

,

Moritz Pohlig absolvierte seine Ausbildung zum Zahntechniker im Jahr 2003 in Düsseldorf. Die Gesellenprüfung schloss er als Kammersieger ab und erzielte mit der praktischen Gesellenarbeit den ersten Platz im Leistungswettbewerb der Handwerksjugend Nordrhein-Westfalen. Bis 2008 arbeitete er in verschiedenen gewerblichen Laboren. 2009 absolvierte er die Meisterprüfung an der Handwerkskammer Berlin-Brandenburg mit der besten Prüfungsarbeit der Prüfungskommission 1. Bis 2012 war er Laborleiter im Dental Concept Berlin (Dr. Detlef Hildebrand). Seit 2012 arbeitet er für Hans Jürgen Joit bei der Zahntechnik Düsseldorf Rebbe.Thielen.Joit GmbH. Moritz Pohlig ist Autor verschiedener Artikel, die in Fachzeitschriften veröffentlicht wurden. Darüber hinaus ist er als Referent tätig.

Fortbildung

Curriculum Funktionsdiagnostik

Stabile, reproduzierbare Okklusion und gelungene Ästhetik – Modul A am 14./15.10.2022


Service

Immer auf dem neuesten Stand

Mit unserem dental dialogue-Newsletter bleiben Sie immer auf dem Laufenden, mit aktuellen Entwicklungen und Nachrichten aus der Branche.


Anzeige

Premium

Heftarchiv

Abonnenten mit einem Login auf unserer Website erhalten Zugriff auf unseren stetig wachsenden Pool ganzer Ausgaben der dental dialogue.


Bookshop

Fachbücher bestellen

Sie finden unser gesamtes Angebot an Fachbüchern für Zahntechnik und Zahnmedizin im Online-Shop.

Interview

Ästhetik

02.08.22

Planbar, systematisch, vorhersagbar

Intensiv-Workshop zum Verblenden komplexer Restaurationen mit Komposit

Christian Hannker, Moritz Pohlig

Vita

,

Moritz Pohlig absolvierte seine Ausbildung zum Zahntechniker im Jahr 2003 in Düsseldorf. Die Gesellenprüfung schloss er als Kammersieger ab und erzielte mit der praktischen Gesellenarbeit den ersten Platz im Leistungswettbewerb der Handwerksjugend Nordrhein-Westfalen. Bis 2008 arbeitete er in verschiedenen gewerblichen Laboren. 2009 absolvierte er die Meisterprüfung an der Handwerkskammer Berlin-Brandenburg mit der besten Prüfungsarbeit der Prüfungskommission 1. Bis 2012 war er Laborleiter im Dental Concept Berlin (Dr. Detlef Hildebrand). Seit 2012 arbeitet er für Hans Jürgen Joit bei der Zahntechnik Düsseldorf Rebbe.Thielen.Joit GmbH. Moritz Pohlig ist Autor verschiedener Artikel, die in Fachzeitschriften veröffentlicht wurden. Darüber hinaus ist er als Referent tätig.

Weitere Beiträge zum Thema

Fachbeitrag

Ästhetik

21.09.22

Der Pionier einer echt pfiffigen Verblendtechnik

Es bedarf nicht viel, um einen abnehmbaren Zahnersatz sauber und ästhetisch-funktionell mit Komposit zu verblenden: ein strukturiertes Arbeitskonzept und ein …

Fachbeitrag

Ästhetik

15.09.22

Next Level

Den Weg zur maximalen Individualität und Ästhetik im Frontzahnbereich zeigt pritidenta mit der Zwei-Brand-Lösung „Next Level“ mit dem Mal- und …